Nights in green satin

This is really hot shit. Diese unedliche Tiefenschärfe inklusive Kunstlicht und steiler Perspektive. Langzeitbelichtung von einem Kinderspielgerät aus. Zooooooooom! Die Magenta-Leuchte des Telefondingsbumms haut’s komplett weg. Peeeeeeeeeeeeng!! Die Rindenstruktur des Kirschbaum tut beim Hingucken weh. Zoooooooosch!!! Doppelspiegelungen im Glas. Wooooooooooow!!!!

Epiphanie

Diese Lichtstörung habe ich auch in anderen Motiven mit scharfem Gegenlicht: Eine seltsam flockige, kryptonitstrahlartige Licht/Blenden/Linsen-Störung. Könnte man gezielt einsetzen, wenn man sie bloß gezielt einsetzen könnte. Wirkt schön surreal und peppt auch langweilige Notausgang-Treppen-Fotos etwas esoterisch auf. Energie, Scotty! Haben Sie sowas auch im Fundus, Herr Gremmer?

Belebtes

Als ich das erste Mal mit Fritz zum Rendsburger Freibad marschierte, machte er mich auf kleine Lüftungsrohre aufmerksam, die in der Wiese am Wegesrand aus dem Boden kamen. Als wir zum dritten oder vierten Mal an einer solchen Gruppe vorbeikamen, raunte er mir zu: »Nichts anmerken lassen: Wir werden verfolgt!« Die Asiaten beleben doch auch gern die unbelebte Natur, oder? Steinchen und Blättchen und Schnee haben dort alle eine Seele … in unserem Stadtteil Lahrfeld sind es die Briefkästen, Mülltonnen und Stromkästen, die mich fragend ansehen, während ich vorbeigehe und mich beobachtet fühle.
Bei diesem Motiv war bereits in der Original-RAW Datei viel Zeichnung im Licht verloren. Gegen zuviel Sonne machste nix!

Gewagt

Solche banalen Motive darf normalerweise nur Jürgen Teller sehen und dann aber auch richtig fotografieren. Dass diese Einöde nicht von ihm festgehalten wurde, erkennt man u.a. daran: Falsche Unfarbigkeit, unkorrekte Unschärfen und Blendenflecke, die fehlende Kate Moss im Anschnitt, wahlweise auch die fehlende Tilda Swinton im Hintergrund mit ihren Kindern spielend. Eventuell ginge auch noch ein Pferd. Aber öde sah es trotzdem aus in der Nachbarschaft meiner Kindheit und Jugend – und ich hab entsprechend draufgehalten. Und irgendwie ist die Inszenierung der künstlichen Natur auch herzzerreissend.

Hanamidunkel

Da mußte ich nochmal spät abends raus, weil die Kirschblüten so surreal von unten ausgeleuchtet werden. Ich dachte, es sei sexy, volle Kanne von unten gegen den Nachthimmel zu knipsen – und siehe da: Es war sexy. Bizarre Formen habe ich festgehalten, diese hier gefallen mir am besten. Das Motiv ist ein Ausschnitt, da immer Straßenleuchte oder Hausfassade oder Verkaufsbeleuchtung mit im Bild waren. Es ist schwer, Winkel und Ausschnitt zu bestimmen, wenn die Kamera auf dem Boden liegend positioniert werden muss. Ich verlange einen Selbstauslöser via iPhone, so dass man den Ausschnitt kontrollieren kann.

Malerisch

Es gibt Motive, die sind auf 950 pixel nicht zu greifen. Solche marmeladig ineinanderlaufende Lichtdingsbumse zum Beispiel, das macht irgendwie wenig Sinn. Die sollte man besser gurskyhaft auf 4 Meter Breite aufblasen, damit alles sichtbar wird: Kleinste Restzeichnungen der Baumwipfel, Lichtspiegelungen im scheinbaren Nichts, den schönen Kontrast der offenen Dunkelheit gegen die matt erleuchtete Straße … viel wäre das zu erwähnen, ich schweig still …

… und zeig stattdessen nochmal ein Detail in 100%. Ach, irgendwie passen JPG und Internet nicht gut zu Zartheit und Indifferenz … hingegen die Möglichkeiten der DP1 für solche Zufallstreffer sind hier gut sichtbar. Ein ganz schönes Abbildungsspektrum zeigt die kleine feine lahmarschige Kamera. Over and out.